BIM-MAGAZIN: Sehr geehrter Herr Atug, sie haben 2018 die AG KRITIS mitgegründet. Schon da mit dem Ziel, die Versorgungssicherheit der Bevölkerung zu verbessern. Was hatte Sie und Ihre Mitgründer dazu veranlasst?
Manuel Atug: Die Idee zur Gründung der AG KRITIS entstand aus der Arbeitsgruppe Kritische Infrastrukturen des Chaos Computer Clubs an einem Arbeitswochenende. Wir alle waren schon damals in kritischen Infrastrukturen tätig und ich wurde zum Gruppenleiter berufen. Schnell stellten wir fest, dass es große Defizite gab, wo es um die Versorgungssicherheit der Bevölkerung ging. Wir waren alle motiviert, uns da einzusetzen. Dabei war uns sehr bedeutend, dass klarer und unabhängiger kommuniziert werden musste, vor welchen Probleme unsere Land eigentlich stand. Und so entstand daraus die AG KRITIS, eine von Wirtschaft und Politik unabhängige Interessensgemeinschaft, die auch im Lobbyregister des es Deutschen Bundestags und der EU eingetragen ist.
BIM-MAGAZIN: Hat denn das Bewusstsein für die Notwendigkeit eines besseren Bevölkerungsschutzes seither zugenommen? Insbesondere seit der Zeitenwende 2022 wurden ja seitens der Regierung eine Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht, nicht zuletzt im März diesen Jahres das KRITIS-Dachgesetzes verabschiedet. AG KRITIS Gründer zur gesamtgesellschaftlichen Resilienz
Wer etwas will, findet Wege – wer etwas nicht will, Gründe.
Manuel Atug: Tatsächlich gibt es ja zwei neue relevante Gesetze: Erstens das BSI-Gesetz zu Cybersicherheit im kritischen Infrastrukturen, mit dem die EU Richtlinie NIS2 umgesetzt wurde. Da sehen wir allerdings Mängel bei der Rechtsdurchsetzung durch die Aufsichtsbehörden – weil der politische Wille von Regierung und Bundesinnenministerium fehlt oder auch schlichtweg an Aufsichtspersonal. Dadurch entsteht das Problem, dass sich viele nicht an die Vorgaben halten. Die Rechtsdurchsetzung aber ist wesentlich.