BIM-MAGAZIN: Sehr geehrter Herr Professor Boris Otto, Daten gelten als zentrale Ressource der digitalen Transformation. In der Bauwirtschaft wird derzeit intensiv über sogenannte Datenräume diskutiert, nicht zuletzt im Kontext von Gaia-X und Construct-X. Was versteht man grundsätzlich unter einem Datenraum – und worin liegt aus Ihrer Sicht der entscheidende Unterschied zu klassischen Datenbanken oder Plattformlösungen?
Boris Otto: Ein Datenraum ist ein Ökosystem des Vertrauens – eine dezentrale Infrastruktur für den sicheren Austausch und die gemeinsame Nutzung von Daten. Der entscheidende Unterschied zu klassischen Datenbanken oder Plattformen: Die Daten werden nicht an einen zentralen Betreiber übertragen, sondern verbleiben beim Eigentümer. Erst wenn Zugriffsrechte und/oder Nutzungsbedingungen vereinbart wurden, die technisch durchgesetzt werden, werden operative Daten geteilt. Im Kern geht es also um die souveräne Nutzung von Daten: Zusammenarbeit wird möglich, ohne die Kontrolle über die eigenen Informationen abzugeben. Damit entsteht ein Rahmen, in dem Kooperation und Datensouveränität zusammen gedacht werden. Gerade in der Bauwirtschaft fehlte bislang eine solche Grundlage für durchgängige digitale Prozesse.