BIM-MAGAZIN: Sehr geehrter Herr Dr. Prinz, niemand kann länger übersehen, dass Deutschland mit einer hybriden Kriegsführung konfrontiert ist. Doch auch das Bewusstsein für Krisenszenarien, wie Naturkatastrophen oder Blackouts wächst – auch in den Architekturbüros?
Dr. Tillman Prinz: Das ist sicherlich der Fall. Die bauliche Sicherung von kritischen Infrastrukturen ist Teil der Arbeit von Architektinnen und Architekten, auch wenn sie nicht deren Kernaufgabe im Hochbau darstellt. Dennoch werden physische Schutzmaßnahmen angesichts klimatischer, terroristischer oder militärischer Bedrohungsszenarien in Zukunft immer wichtiger.
Sie sind jedoch keine gänzlich neue Bauaufgabe. Ihrem Kernverständnis nach planen Architekturbüros immer für das Gemeinwohl und für die Sicherheit der Nutzenden, von spezifischen Sicherheitsarchitekturen wie Flughäfen, Gefängnisse oder Kraftwerke ganz abgesehen. Insofern haben Architektinnen und Architekten schon seit jeher eine maßgebliche Kompetenz im baulichen Schutz von Gebäuden und Anlagen. Und schon immer haben sie es als Selbstverständlichkeit begriffen, ihre Expertise (z.B. über Fortbildungen) an gegenwärtige Herausforderungen anzupassen oder die Potenziale neuer Technologien wie modellbasierter Planung oder Künstlicher Intelligenz zu nutzen.