BIM-Magazin: Sehr geehrter Herr Dr. Tulke, was hat die Digitalisierung der Bauwirtschaft mit der Resilienz kritischer Infrastruktur zu tun?
Dr.-Ing. Jan Tulke: Das KRITIS-Dachgesetz verpflichtet Betreiber kritischer Anlagen zu Risikoanalysen und -bewertungen, bei denen auch Risiken aus Abhängigkeiten von anderen Betreibern und Sektoren zu berücksichtigen sind. Für die Bauwirtschaft stellt sich damit die Frage, wie belastbar die zugrunde liegenden Informationsketten sind.
Hier treffen langlebige Infrastrukturen auf temporäre Wertschöpfungsketten: Planer, Bauunternehmen, Betreiber, Prüfer oder Behörden wechseln, ebenso Systeme und Zugriffsstrukturen. Informationen entstehen verteilt bei unterschiedlichen Akteuren. Bei einer kurzfristigen Instandsetzung etwa müssen Bestands- und Anlagendaten, Prüfberichte oder Produktinformationen auch Jahre nach ihrer
Entstehung organisationsübergreifend verfügbar sein.
Entscheidend ist daher, ob die erforderlichen Informationen eindeutig zuordenbar, aktuell und für berechtigte Akteure systemübergreifend verfügbar sind. Diese Informationskontinuität über Organisations- und Projektgrenzen hinweg ist aber auch angreifbar.