Kritische Infrastruktur | Sonderausgabe September 2026

Sehr geehrte Leser,

willkommen zum neuen BIM-MAGAZIN.

Mit dem KRITIS-Dachgesetz wollen Bund und Länder Deutschland auf die vielfältigen Krisenszenarien besser vorbereiten. In Ergänzung zu weiteren gesetzlichen Maßnahmen rückt mit dem neuen Gesetz nun die weitestgehend mögliche Reduzierung physischer Risiken in den Mittelpunkt – und damit auch die Verantwortung in Planung, Bau und Betrieb.

Es geht vor allem um eine bessere Sicherheit von Gebäuden, technischen Anlagen und Infrastrukturen sowie darum, deren Funktionsfähigkeit nach dem Eintritt von Katastrophen, ungewollten oder bösartigen Beschädigungen sowie Ausfällen schnellstmöglich wiederherzustellen – und so Leben, Gesundheit und Funktionalität so gut wie nur eben möglich zu schützen.

Schon bisher haben Eigentümern oder Inhaber von Immobilien, Produktionsanlagen und Infrastrukturen diese geschützt. Doch nun geht es um ein neues Zielbild, um neue Pflichten, persönliche Verantwortung und bewährte Lösungen.

Für diese Sonderausgabe haben wir Persönlichkeiten aus Recht und Wissenschaft, Politik und Verbänden sowie Wirtschaft und IT gewinnen können, die uns helfen, die neuen Herausforderungen besser einordnen zu können. Lesen Sie dazu mehr in der Ausgabe zu diesen Impulsen:

„Das KRITIS-Dachgesetz ist mehr als Regulierung – es ist ein Paradigmenwechsel. Organisationen müssen Sicherheit künftig als strategischen Bestandteil ihrer Leistungsfähigkeit begreifen. Wer frühzeitig investiert – in Resilienz, Strukturen und Szenarienkompetenz – wird nicht nur rechtskonform handeln, sondern auch operativ stabiler und wettbewerbsfähiger sein.“ Uwe Gerstenberg, Sicherheitsexperte, Unternehmer sowie Managing Director der Luther Public Service GmbH.

„Diese realen Krisenszenarien werden dazu führen, Sicherheitsanforderungen für alle Neubauprojekte und Projekte im Bestand im Rahmen von KRITIS unmittelbar heranzuziehen.“ Prof. Dr. Clemens Gause, Geschäftsführer Verband für Sicherheitstechnik, und Gesamtvorstand vom Zukunftsforum Öffentliche Sicherheit e.V.

„Ohne ein fundiertes Informationsmodell kritischer Infrastrukturen ist eine koordinierte Informations-, Melde- und Reaktionskette kaum vorstellbar. Und BIM hat das Potenzial, ein wichtiger Lösungsbeschleuniger und Stabilitätsfaktor in Krisenreaktionsszenarien zu sein.“ Thomas Kirmayr, Leiter der Fraunhofer-Allianz Bau und der Abteilung Geschäftsfeldentwicklung des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik.

„Eine resiliente Kommunikations-Infrastruktur ist in jedem einzelnen Prozess eines Notfallplans der zentrale Faktor. Lösungen für eine bessere Krisenfestigkeit gibt es –  aber diese beginnt nicht bei der Technik, sondern bei der Haltung.“ Markus Viertel, geschäftsführender Inhaber der WiMo Antennen und Elektronik GmbH und Initiator der KRITIS-KOM.

„Der neue regulatorische Druck sollte als massiver Katalysator für die weitere Digitalisierung im FM gelten. Und wer die geforderten Resilienz-Ziele mit konventionellen Methoden erreichen will, wird an der Komplexität und der Nachweispflicht scheitern. Digitale Zwillinge erhalten eine gesteigerte Bedeutung als Instrument der Resilienz-Sicherung.“ Christian Kaiser, Geschäftsführer der ARCHIBUS Solution Centers Germany Saarbrücken GmbH in der eFM-Gruppe.

„Entscheidend für solche Anwendungsszenarien ist, dass die Daten sicher, vertrauenswürdig, qualitativ hochwertig und verfügbar sind.“ Dr. Tillman Prinz, Bundesgeschäftsführer der Bundesarchitektenkammer, und Mitglied im Kuratorium des Max-Planck-Instituts für Innovation.

„Die größte Herausforderung liegt nicht in der Erstellung eines Notfallplans, sondern in der Verfügbarkeit verlässlicher Informationen. Die Datenqualität wird damit zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor für Resilienz und Compliance.“ Michael Schön, Chief Operation Officer und Michael Golz, Customer Relationship Manager, M&P BEGIS GmbH.

„Gerade bei kritischen Infrastrukturen reicht es nicht, Informationen einfach zentral zusammenzuführen. Verfügbarkeit, Vertraulichkeit und kontrollierter Zugriff müssen zusammen gedacht werden. Genau hier ist der Architekturansatz eines föderierten Datenraums interessant.“ Dr.-Ing. Jan Tulke, Geschäftsführer der planen-bauen 4.0 - Gesellschaft zur Digitalisierung des Planens, Bauens und Betreibens.

„Facility Management wird zunehmend zum operativen Kern der Resilienz. Es sorgt dafür, dass kritische Prozesse auch unter außergewöhnlichen Bedingungen weiterlaufen können.“ Sebastian Sichter, Elektromeister und Wirtschaftsjurist bei der STRABAG Property und Facility Services Unternehmensgruppe, STRABAG PFS.

„Der entscheidende nächste Schritt ist jetzt, die Fortschritte tatsächlich bis in die kommunale Praxis zu tragen. Und vorbeugende Maßnahmen und Planungssicherheit liegen grundsätzlich im ureigenen Interesse der Unternehmen selbst.“ Sebastian Schmidt, Mitglied des Deutschen Bundestages und Berichterstatter der CDU/CSU Fraktion für Zivil-, Bevölkerungs- und Katastrophenschutz, THW; Luftsicherheit und Seesicherheit sowie Haushalt im Innenausschuss.

„Wir dürfen auch nicht diese Vollversorgermentalität haben, wonach der Staat immer alles richten wird. Und wenn die Katastrophe kommt, dann baut das THW ein paar schöne Zelte auf und es gibt eine Bockwurst mit warmen Essen und übrigens auch morgens, mittags und abends ein Bierchen. So funktioniert das nicht.“ Manuel Atug, Gründer und Sprecher der AG KRITIS.

„Die Umsetzung der relevanten Maßnahmen erfordert die enge Zusammenarbeit aller Ebenen und Akteure, um die Gesamtverteidigung Deutschlands zu gewährleisten.“ Das Bundesministerium des Inneren zu Maßnahmen der Bundesregierung.

All unseren Interviewpartnern und Autoren danken wir vielmals. Und Ihnen, liebe Leser, wünsche ich nun bessere Orientierung, Anregung und Inspiration.

Let’s build together,


Ralf Golinski                                                                Dr.-Ing. Jan Tulke
Mitherausgeber und Chefredakteur                            Mitherausgeber



BIM-Magazin Ausblick

Was Sie in den beiden nächsten Ausgaben erwartet:

Durchgängige digitale Prozesse als Grundlage der automatisierten Baustelle.

Die Digitalisierung einzelner Prozesse ist in vielen Bereichen der Bauwirtschaft längst Realität. Doch mit der Zahl digitaler Anwendungen wächst nicht automatisch auch die digitale Durchgängigkeit. Entscheidend ist, ob die dabei entstehenden Informationen im nächsten Prozessschritt tatsächlich weitergenutzt werden können oder ob die digitale Kette an Unternehmens-, Software- oder Prozessgrenzen wieder abreißt.

Noch gestern eine Vision – heute praktische Realität: Roboter in Bau und Facility-Management.

Auf vielen Baustellen im Hoch- und Straßenbau sowie im FM sind Roboter bereits erfolgreich zum Einsatz. Mit unserer nächsten Marktübersicht geben wir Orientierung: Welche Arbeitsprozesse werden bereits erfolgreich unterstützt, wer sind die Anbieter, und auf welche Leistungskriterien müssen Anwender achten, wenn sie einen der neuen automatischen Kollegen beschaffen wollen? Wir geben einen Überblick.

 

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